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Broschüre über die Stiftung erschienen

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des Matthias-Claudius- Sozialwerkes Bochum.

Dr. Willi Gründer - Vorsitzender

Sehr geehrte Damen und Herren,

Volkhard Trust hat Sie heute Abend bereits mit Matthias Claudius bekannt gemacht. Sein Todestag jährt sich in wenigen Jahren zum 200sten Mal. Lassen Sie mich daran erinnern, dass er in einer Zeit lebte, die weitaus mehr Armut, Krankheit und Heimatlosigkeit kannte, als wir sie uns jemals vorstellen könnten. Und dennoch, die Probleme und Konflikte der Menschen und Nationen mögen durch zahlreiche Technologien und Zivilisationstechniken heute besser beherrscht werden, weniger wird ihre Anzahl  dagegen nicht.

Hieran kann auch der Ruf nach dem Staat nicht viel ändern, obwohl er über umfangreiche finanzielle Mittel und zahlreiche Steuerungsinstrumente verfügt. Zwar können die Regierungen den Ordnungsrahmen garantieren, Infrastrukturen errichten, die Grundversorgung an materiellen Leistungen für Bedürftige sichern und die Budgets für angemessene Bildung und kulturelle Vielfalt bereitstellen. Mit Leben erfüllen können sie und die anderen Institutionen der parlamentarischen Demokratie diesen Rahmen allerdings nicht.                                                            

Verehrte Gäste,

eine lebendige und solidarische Gemeinschaft braucht mehr als Staatsgläubigkeit und mehr als eine auf die Verfassung beschränkte Leitkultur. Sie braucht vielmehr eine Meinungsvielfalt voller Farbe und Intensität. Ohne konkurrierende Wertesysteme, Diskurse, aber auch Toleranz und eine zivilisierte Streitkultur ist sie verloren. Denn erst die fruchtbare Auseinandersetzung um die besten Wege führt zur Orientierung, zum Engagement und zur tatkräftigen Mithilfe. Nicht nur in der Wirtschaft und in der Wissenschaft, auch in der Entwicklung unserer Gesellschaft.

Eine Voraussetzung hierfür sind allerdings Freiräume zum Handeln.  Freiheiten, wie sie in unserem Land reichlich vorhanden sind und -  mehr als das  -  durch eine Vielzahl von Gesetzen flankiert werden. Hierdurch ergeben sich für uns wunderbare Möglichkeiten, unserer Gesellschaft unmittelbar zu dienen.

 

Stiftungen spielen hierbei eine wachsende Rolle. Damit sie aber erfolgreich sein können, brauchen sie zweierlei:

  1. Ein tragfähiges ideelles Fundament als Basis für ihr uneigennütziges Wirken und
  2. Eine ebenso tragfähige finanzielle Grundlage, um ihre Ziele zu verwirklichen.

Was heißt das für uns, die Matthias Claudius Stiftung:

Zunächst zu unserem ideellen, christlich geprägten  Fundament:

Wir erfahren täglich und wissen, wie unterschiedlich die Menschen sind. Und dennoch sind sie gleich, in ihrer Würde, ihren Rechten, ihren Pflichten und in ihrem Anspruch auf Solidarität. Denn sie verfügen über Eigenschaften, Begabungen und Einschränkungen, die in ihrer Kombination einzigartig  sind.  Das macht jeden von ihnen gleichermaßen wertvoll und verlangt von Staat und Gesellschaft eine gründliche und an den Anlagen ausgerichtete Förderung.   

Doch, wie bereits gesagt, staatliche Fürsorge hat ihre Grenzen. Sie deckt Grundbedürfnisse ab, handelt verlässlich und ist der Kontinuität verpflichtet. Sie ist aber nur selten innovativ und zukunftsorientiert. Hier setzt die Arbeit unserer Stiftung an.  Mit unseren Projekten wollen wir neue Richtungen weisen und Gemeinschaften errichten, die den einzelnen befähigen zu besseren, den eigenen Fähigkeiten adäquaten Leistungen zu finden.  

Unsere Aufgaben können natürlich umso anspruchsvoller sein, je mehr finanzielle Mittel uns zur Verfügung stehen. Und so haben wir von Beginn unserer Tätigkeit in den Schulen darauf geachtet, mit unseren Ressourcen  sparsam umzugehen. Diese Sparsamkeit hat uns in die Lage versetzt, ein solides finanzielles Fundament für das Matthias Claudius Sozialwerk zu legen. Und so konnten wir uns neben der schulischen und außerschulischen Bildung junger Menschen – und zwar unter besonderer Berücksichtigung von Menschen mit Behinderung - mit Vorhaben wie die Claudius-Höfe und die Villa Claudius in Angriff nehmen.

Wie Sie vielleicht schon wissen, werden die Claudius-Höfe, unweit der Bochumer Innenstadt gelegen, als komplementäre Wohngemeinschaft knapp 200 Bewohner unterschiedlichen Alters und Familienstandes aufnehmen. Inmitten einer Stadt gelegen wird dieses neue Viertel über alle Einrichtungen eines Dorfes verfügen. Über ein Gasthaus, eine Herberge, eine Kapelle, ein Rathaus und einen Festsaal.  Öffentliche Plätze und private Rückzugsräume bieten Möglichkeiten der Kommunikation und der Einkehr und werden ergänzt um Aktivitäten, die von den Bewohnern selbst organisiert und umgesetzt werden. Gegenseitige Achtung und tätige Unterstützung sollen zu einem wesentlichen Merkmal der Claudius-Höfe werden.

Ideelle Zielsetzungen verfolgen wir aber auch in der Gebäudetechnik. Als prämiierte Solarsiedlung und Gewinner eines Preises des Bundeswirtschaftsministeriums für energieoptimiertes Bauen wird diese Wohnanlage ausschließlich in Niedrigenergie- und Passivbauweise errichtet, d.h. je Quadratmeter Wohnfläche liegt der jährliche Ölverbrauch unter drei Litern oder bei etwa 20 Cent pro Monat. Möglich machen dies die solarthermischen Anlagen und die Photovoltaik in Verbindung mit der Fernwärme und einem Nahwärmeversorgungsnetz. Über ein rechnergestütztes Kommunikationssystem werden jedem Mieter umfassende Informationen über seinen Strom- und Wärmeverbrauch zugänglich gemacht.

Fester Bestandteil der Claudius-Höfe wird auch die Villa Claudius sein. Dies ist der Integrationsbetrieb des Matthias Claudius Sozialwerks. Von ihr sollen die Herberge, das Gasthaus und eine Wäscherei betrieben werden. Dienstleistungen rund ums Haus ergänzen die Tätigkeiten. Integrationsbetriebe sind wirtschaftlich arbeitende Betriebe mit einem erhöhten Anteil an Arbeitnehmern mit Behinderungen. Hier im Forsthaus beispielsweise, einem Teilbetrieb der Villa Claudius, sind dies drei von sieben festangestellten Mitarbeitern. Insgesamt arbeiten inzwischen in den Mensen, Kantinen und im Forsthaus ca. 40 Mitarbeiter, davon etwa 10 mit Behinderungen unterschiedlicher Art.

Während dieser letzten Jahre war unser Optimismus, und ich darf hier neben Joachim Stahlschmidt und Volkhard Trust vor allem auch Johannes Ditthardt und Heinrich Storek nennen, nicht zu bremsen. Und nicht selten bewegten sich unsere Pläne jenseits aller Realität. Und dennoch ließen wir von unseren Zielen nicht los. Und wir waren nicht allein. Eltern, die Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten für ihre Kinder suchten, Wissenschaftler, die unsere Projekte begleiteten, und Vertreter aus Kommune und Politik, die sich unsere Ideen zunehmend zu eigen machten oder mit großem Interesse verfolgten.

Dieser Zuspruch und unsere grenzenlose Zuversicht blieben auch einem Unternehmerehepaar jenseits der Ruhr nicht verborgen. Und das brachte unseren Vorhaben endlich den Durchbruch.  Denn die von unseren Stiftern vorgenommene, nicht unbeträchtliche Überweisung reichte, um die zögerlichen Banken bald zum Einlenken zu bewegen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Inzwischen wurde die Gründung  der selbstständigen Matthias Claudius Stiftung vollzogen, es sind weitere Zustiftungen erfolgt, und wir haben unseren Herrgott  gebeten, uns weiterhin bei der Suche nach Stiftern unter die Arme zu greifen.   

Dass er sich dieser Aufgabe mit derselben freudigen Bereitschaft annimmt wie bisher und uns weitere Stifter zuträgt, das wissen wir natürlich nicht. Aber nach allem, was er inzwischen für uns getan hat, wissen wir, er ist uns wohl gesonnen.